Die NPD und das Amazon Partnerprogramm

Amazon hat die NPD in sein sogenanntes Partnerprogramm aufgenommen

Ist es nicht schön wenn man früh am Morgen schon eine solche Meldung um die Ohren gehauen bekommt?  “Gehen denen im Moment wiedermal die Nachrichten aus”, war so meine erste Reaktion auf diese Überschrift und ich ignorierte sie erstmal. Als sich dann langsam aber sicher immer mehr Boykottaufrufe in meine Wahrnehmung drängten beschloss ich mir das dann doch mal Anzusehen und siehe da es ist noch übler als erwartet.

Kommen wir erstmal zu den Fakten was genau steckt hinter der Meldung. Der Verfassungsschutz Brandenburg  (ja, ich linke da wirklich hin) klärt uns da gerne auf:

Offenbar ist die NPD Barnim-Uckermark ins “Partnerprogramm” von Amazon eingestiegen und erzielt damit Einnahmen. Amazon nennt das “Werbekostenerstattung”. Andere könnten das eine wirtschaftliche Partnerschaft mit verfassungsfeindlichen Extremisten nennen.

WOW!!!!, echt ein Skandal ein kleiner Webmaster aus Barnim-Uckermark ist also auf die Idee gekommen man könnte mit Amazon etwas Geld verdienen.

Klären wir erstmal wie das Amazon Partnerprogramm an sich funktioniert. Partner setzt einen Link auf Amazon und für jeden Besucher der über diesen Link kommt bekommt der Partner einen kleinen Anteil an dem Gewinn den der Besucher bei diesem Besuch bei Amazon erzeugt. Der Link kann direkt auf ein Produkt oder auf Amazon selbst gehen das spielt keine Rolle auch wenn der Link auf ein Produkt geht ist es unwichtig ob der potentielle Kunde jetzt genau dieses oder irgend ein anderes Produkt bei Amazon kauft für diesen Besuch erhält der Partner Provision. Partner bei Amazon kann wirklich jeder werden der in der Lage ist das Antragsformular auszufüllen und dessen Webseite nicht gegen die Richtlinien von Amazon verstößt.

Was mich jetzt an dem Satz oben so wirklich stört ist die “wirtschaftliche Partnerschaft mit verfassungsfeindlichen Extremisten”. Ja, so würden es mache (unter anderem ich) auch gerne nennen, leider können wir das nicht weil so ein gewisser Haufen, namentlich der Verfassungsschutz, beim ersten NPD-Verbotsverfahren derartig verkackt hat das dem Gericht keine andere Wahl blieb als gegen eine verfassungsfeindlichkeit der NPD zu entscheiden. Zum aktuellen Zeitpunkt ist die NPD eine legale Partei in der Bundesrepublik Deutschland und damit darf sowohl sie als auch ihre Funktionäre geschäftliche Partnerschaften eingehen mit wem auch immer sie will. Das irgendein kleiner Webmaster aus Barnim-Uckermark (wo zur Hölle ist das eigentlich?) es wagt Werbung für Amazon zu machen ist mir demnach relativ egal, wenn ihr das verhindern wollt, ein Parteiverbotsverfahren ist da ne Möglichkeit zu. Bis das durch ist hat auch ein (in meinen Augen ziemlich wiederlicher) Haufen wie die NPD Rechte. Man bedenke diese Aussage kommt von mir, der gerne mal auf der Gegenseite einer NPD Demonstration steht. Ja, auch die NPD hat Rechte und zwar genau so lange bis man sie ihr aberkennt. Das ich trotz der Anerkennung der rechte der NPD nicht einfach so tatenlos daneben stehen werde wenn der Haufen mal wieder eine Demo in meinem Umkreis plant ist dann wiederum mein persöhnliches Recht. Auch die NPD hat ein Recht auf freie Meinungsäußerung und keine staatliche Stelle darf ihr das verwehren, nur keiner hat gesagt das wir Bürger diese Meinung nicht Lautstark kommentieren dürfen. Gut das steht allerdings auf einem anderen Blatt und hat mit der Geschichte hier nur ganz am Rande zu tun.

Kommen wir also zu Amazon und meinem Lieblingsthema der Amazonkritik. Was macht denn Amazon bitte in diesem Fall falsch? Amazon arbeitet mit Geschäftspartnern zusammen die eine absolut legale und bisher juristisch nicht beanstandete Webseite betreiben. Gut, unter rein moralischen Gesichtspunkten kann ich die Kritik verstehen. Nur Amazon ist keine moralische Institution sondern ein Weltkonzern. Ein legaler Partner kann Amazon dabei helfen mehr Geld zu verdienen und bekommt dafür Provision, aus Sicht von Amazon gibt es da gar kein Problem. Natürlich prüft Amazon gerade ob es da nicht etwas an den Seiten der NPD zu beanstanden gibt, doch bin ich mir ziemlich sicher das sie nichts finden werden. Wenn es da etwas zu finden gäbe hätten Polizeibehörden und Verfassungsschutz die Seite längst dicht gemacht, also auch an dieser Front keine Probleme für Amazon. Jetzt kommen natürlich auch Politiker aller Seiten aus ihren Löchern gekrochen und halten diese Partnerschaft lautstark für verwerflich. Bedeutet das jetzt das kein Unternehmen mehr eine Geschäftsbeziehung mit der NPD oder einem ihrer Vertreter eingehen darf? Kann nicht sein, auch NPD-Anhänger haben aktuell Strom, Wasser, Nahrung, Luxusgüter und sogar Arbeitsplätze. Also ja, eine Geschäftsbeziehung mit der NPD ist machbar und sogar in gewisser Weise wünschenswert. Zumindest möchte ich nicht in einem Land leben in dem jemandem aufgrund seiner Parteizugehörigkeit oder entsprechenden Ämtern ein normales Leben verwehrt wird, zumindest solange die Partei nicht verboten ist.

Wo liegt also genau der Punkt der bei Amazon zu beanstanden ist?

Natürlich ist Amazon diese Partnerschaft freiwillig eingegangen, wenn sie es vor diesem Shitstorm überhaupt bemerkt hatten. Amazon bewertet seine Geschäftspartner nicht nach Hautfarbe, Religion oder politischer Zugehörigkeit sondern nach ihren eigenen Richtlinien die in Form der AGBs für jeden ersichtlich sind. Kein Verstoß gegen die AGBs bedeutet man kann Partner werden. Kann man mit so etwas Leben? Ich zumindest ja. Damit ist also die Geschichte mit der NPD durch.

Was gibt es denn noch für Gründe für einen Boykott von Amazon?

Die Nummer mit den Billigarbeitern. Netter Punkt. Wenn ihr nicht wollt das Amazon auf Billigarbeiter und Lohndumping zurückgreift dann bewegt euren Arsch gefälligst auf die Straße und sorgt dafür das dagegen etwas Unternommen wird. “Mindestlohn” ist da eine schöne Forderung die man unterstützen kann, “1 Euro Jobs abschaffen” eine andere. Fakt ist doch solange es für Amazon (und viele andere Unternehmen) möglich ist durch solche Maßnahmen seinen Gewinn zu erhöhen werden sie es tun. Wie währe es denn vielleicht mal nicht auf dem einen Unternehmen herumzuhacken das erwischt wurde, sondern einfach mal etwas an dem grundsätzlichen Problem zu ändern? Ein Boykott von Amazon wird an den grundlegenden Problemen nichts ändern also was soll das bringen? Also auch hier nicht wirklich ein Grund warum ich auf den Luxus bei Amazon einzukaufen verzichten sollte.

Gib es da noch einen Grund?

Mein Lieblingsgrund, Wikileaks. Ja, Amazon hat es gewagt Wikileaks nicht mehr hosten zu wollen, und? Auch hier Unterstelle ich Amazon ein rein wirtschaftliches Interesse. Mit ziemlicher Sicherheit hat der Aufwand den Amazon wegen Wikileaks hatte den Gewinn den sie daraus gezogen haben bei weitem überstiegen. Wo genau liegt jetzt das Problem? Wenn Amazon sich von einem solchen Kunden trennt. Hätte ein anderer Hoster etwas anderes getan? Und warum war Wikileaks dann nicht gleich von Anfang an bei denen? Haben die es etwa gewagt direkt etwas mehr Geld zu verlangen als Amazon? Fragen über Fragen. Solang zumindest die gleichen Leute die mir sowas als Boykottgrund für Amazon an den Kopf werfen Kunden und/oder Verkäufer bei Ebay sind, kann ich das nicht ernst nehmen. Warum jetzt Ebay? Kleine Geschichtsstunde: Paypal (Ebay Tochtergesellschaft) war eine der Firmen die damals die Wikileakskonten eingefroren haben. Übrigen hat Paypal nicht nur Wikileaks von ihrem Geld abgeschnitten sonder immer mal wieder Klagen Webshops und auch Privatleute darüber das Paypal einfach mal so dicht gemacht hat. Eine andere Firma die damals Wikileaks den Geldhahn abgedreht hat war übrigens Mastercard. Was dann auch Zwangsläufig eine Aktion von Anonymous auslöste, die ihren Bekanntheitsgrad damit über Nacht vervielfacht haben. Das Ergebnis sehen wir heute. Firma, Privatperson, xyz macht etwas “böses” und schön kommt die Armee der minderjährigen (und solchen die es sein müssten) Guy Fawkes Maskenträger und nimmt sich seiner an. Sollten mal die üblichen Tools versagen gibts halt nen ddos, das hilft immer. Geschichtsstunde ende, bevor ich mir noch den Zorn der Bleichgesichter einfange 😉

Also in aller kürze, Amazon hat Wikileaks von ihren Servern geschmissen und ich habe damit nicht wirklich ein Problem. Ein Problem hatte ich eher damit das Wikileaks überhaupt auf den Amazonkisten in den USA lief. Bei einem solchen Portal erwarte ich da dann doch etwas mehr Privatsphäre sowas kostet dann allerdings auch ein wenig Geld das Wikileaks anscheinend nicht ausgegeben hat. Klarer Fall von falschen Hoster gewählt und damit auf die Nase gefallen, kommt in den besten Familien vor. Da ich bei Amazon zur Zeit allerdings kein Hostingkunde bin ist mir auch dieses Argument relativ schnuppe. Die Wikileakslektüre wird soweit ich das sehen kann immer noch auch von Amazon verkauft.

Also fassen wir diese Meldung mal kurz zusammen:

  • Wir haben einen Haufen Politiker die moralisches Handeln von anderen fordern aber selbst nicht den Arsch hochbekommen.
  • Wir haben den Verfassungsschutz der gerade jede Gelegenheit nutzt um zu beweisen das er auch gegen Rechte vorgeht.
  • Wir haben ein Unternehmen das es wagt Gewinne zu erwirtschaften und dazu jede legale Möglichkeit nutzt.
  • Und wir haben einen Haufen Leute deren Verständniss eines Rechtsstaates genau da aufhört wo der NPDbeissreflex einsetzt. (Verständlich, doch trotzdem falsch.)

Klingt für mich eigentlich alles ganz normal.

Das bedeutet also, wir haben wieder einen komplett unbegründeten Shitstorm kurz nach dem ersten Kaffee. So fängt der Tag doch gut an.

So und jetzt nachdem ich diesen Artikel beendet habe gönne ich mir einen extra kapitalistischen Kaffee, aus garantiert nicht fair getradeten Bohne, in einer umweltfeindlicher Aluhülle und das ganze dann sogar noch mit etwas aufgeschäumter Milch, von garantiert misshandelten Kühen. Ja, so etwas gibt es und es kostet nicht einmal 2 Euro.

Irgendwie ist es richtig günstig geworden etwas falsches zu tun, was wir nicht zuletzt Unternehmen wie Amazon verdanken.

 

UPDATE: 

Nachdem ich in den Kommentaren darauf hingewiesen wurde das die Geschichte von 2009 stammt nehme ich natürlich einiges zurück und behaupte das Gegenteil 😉  Warum hat eigentlich der Verfassungsschutz in Brandenburg kein Datum auf den Meldungen? Egal, was ändert sich jetzt für mich dadurch? Amazon hat sich immer noch richtig verhalten, die Aufregung war noch unbegründeter und in Zukunft knalle ich mir erst einen Kaffee in die Birne bevor ich mich durch meine News wühle.

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About Brechthold

Brechthold gehört zu dem Gründungsteam von Contempt-it . Nach ein paar Jahren der Abstinenz jetzt wieder zurück im Adminteam um ein wenig Ordnung zu schaffen. Zu seinen Lieblingsthemen gehören Honeypots, IDS-Systeme und Servermonitoring. Neben seiner Arbeit im Adminteam werkelt er noch an seinem Brechtblog

2 Responses to Die NPD und das Amazon Partnerprogramm

  1. pjebsen says:

    Sag mal, nimmst du alle Meldungen, die du am Morgen um die Ohren gehauen bekommst, für bare Münze? Du hättest dir die ganze Mühe mit dem Blogbeitrag sparen können: Die Geschichte mit dem Partnerprogramm stammt aus dem Jahr 2009! Drei Tage, nachdem Tagesspiegel und Handelsblatt darüber berichteten, endete die Sache schon wieder.

    Und der Bericht des Verfassungsschutzes, auf den du dich beziehst? Der wurde einen Tag vor dem Zeitungsartikel veröffentlicht, nämlich am 4. Juni 2009. Das siehst du, wenn du auf http://www.verfassungsschutz.brandenburg.de das Archiv durchstöberst.

    Mein Blogbeitrag dazu: http://sozialgeschnatter.wordpress.com/2013/02/16/in-sachen-twitstorm-nein-bei-amazon-verdient-die-npd-nicht-mit/

    • Jupp, ich nehme zumindest das Meiste was mir am frühen Morgen um die Ohren gehauen wird für bare Münze. Zumindest wenn es mit einer solchen Schlagzahl auf mich einhämmert, sollte ich vielleicht mal ändern. Eventuell würde es aber auch ausreichen wenn ich mir einfach den Kaffee erst in den Rachen schütte und mich dann auf meine News stürze.

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